Die Besatzung des Irak

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Die Iraker "durch Schrecken zur Unterwerfung zwingen"
Iraker als Kanonenfutter
    (junge welt, 15.01.04, von Joachim Guillard)
Aufstandsbekämpfung made by USA: Vorgehen in Vietnam und israelische Armee als Vorbilder
Human Rights Watch :  Kriegsverbrechen der US-Truppen  (aus taz 15.1.2004 )
... Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch beschuldigt US-Truppen in Irak der Kriegsverbrechen. Sie hätten Häuser mutmaßlicher Rebellen zerstört und Angehörige Aufständischer festgenommen, um die Familien der Rebellen zu bestrafen. Die US-Armee wies diese Darstellung entschieden zurück.
Irak: Blutiger November    (taz vom 27.11.2003 (Agentur))
BAGDAD ap/dpa Der November war für die US-Truppen im Irak der bisher blutigste Monat, seit US-Präsident Bush die Hauptkampfhandlungen am 1. Mai für beendet erklärt hat. Im ganzen Land kamen mehr als 60 US-Soldaten ums Leben. Die Zahl der Angriffe sei zwar auf etwa 30 am Tag zurückgegangen, entspreche aber der Situation im Oktober und bedeute, verglichen mit August und September, immer noch ein erhöhtes Maß an akuter Gefährdung, erklärte US-Oberst William Darley.
reportage:   BEI DEN ZIVILVERWALTERN DES IRAK    (taz, 27.11.03, 244 Zeilen, KARIM EL-GAWHARY (TAZ-Bericht))
 Sie sind junge Amerikaner, die an Eliteunis studiert haben. Sie leben in einer Sicherheitszone, Bagdad bekommen sie fast nie zu Gesicht. Dabei verwalten sie die Stadt. "Es gibt große Fortschritte bei der Irakisierung", loben sie ihre Arbeit. "Neokonservativer Kindergarten", murrt ein Diplomat
Die Insulaner von Bagdad
Sechs Militärbasen für die Besatzer     (taz, 26.11.03, 101 Zeilen, ANDREAS ZUMACH (TAZ-Bericht))
Teile der anglo-amerikanischen Streitkräfte im Irak sollen auf unbefristete Zeit dort bleiben. Die Auswahl der Stationierungsorte ermöglicht die strategische Kontrolle des ganzen Landes und militärische Operationen in Nachbarländern

Das schwarze Gold fließt noch nicht     (taz, 25.11.03, 142 Zeilen, KARIM EL-GAWHARY (TAZ-Bericht))
Anschläge auf Pipelines und skeptische Nachbarn erschweren die Wiederaufnahme des irakischen Ölexports. Die Schlüsselindustrie für den Wiederaufbau des Landes steht vor enormen Schwierigkeiten. Noch ist keine Lösung in Sicht

Ärzte-Studie: Mehr als 20.000 Tote im Irak-Krieg     (onnachrichten.t-online ,  23.11.03)

Irakische Sanitäter tragen in Bagdad einen Toten aus einem Krankenhaus (Foto: dpa)
Irakische Sanitäter tragen in Bagdad einen Toten aus einem Krankenhaus (Foto: dpa)

Im Irak-Krieg sind insgesamt mehr als 20.000 Iraker ums Leben gekommen. Das geht aus einer Schätzungen der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) hervor. Die Zahl der Opfer steige seit Kriegsende kontinuierlich, heißt es in dem Bericht. Außerdem werde die Gesundheitslage der irakischen Bevölkerung immer schlechter.
Keine zuverlässigen Angaben
Der IPPNW-Studie zufolge wurden während des Krieges zwischen 7800 und 9600 irakische Zivilisten getötet. Die meisten Opfer habe es unter irakischen Soldaten gegeben: Zwischen 13.500 und 45.000 seien während der Kampfhandlungen gefallen. Die genaue Zahl werde aber wahrscheinlich nie bekannt werden, weil es keine zuverlässigen Angaben dazu gebe.
... Krieg traf die Schwächsten ...   ... Krankheiten durch Umweltverschmutzung ...

Schwere Waffen und starke Worte     (taz, 20.11.03, 116 Zeilen, KARIM EL-GAWHARY (TAZ-Bericht)
Bei der Gegenoffensive der US-Truppen im Irak werden wieder Präzisionsbomben eingesetzt. Dies ist eine Reaktion auf die steigende Zahl irakischer Angriffe - derzeit sind es 35 am Tag. Doch ein Erfolg der neuen Strategie des Pentagons ist zweifelhaft
Das zweite Vietnam     (taz vom 18.11.2003, 241 Zeilen (Kommentar), GABRIEL KOLKO)
Die wahren Lektionen aus ihrem größten außenpolitischen Desaster haben die USA noch nicht gelernt. Darum wiederholen Bush und seine Berater die alten Fehler jetzt im Irak
Erfolg: unwahrscheinlich    ( taz vom 17.11.2003, 84 Zeilen (Kommentar), ANDREAS ZUMACH)
...   Denn: Die amerikanisch-britischen Besatzungstruppen sollen weiterhin bis mindestens Mitte 2004 in unverändertem Umfang im Irak bleiben und gemeinsam mit der Okkupationsbehörde von Paul Bremer die (weitgehend) alleinige Kontrolle in allen relevanten politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Angelegenheiten behalten.
Damit aber bleibt der Hauptgrund erhalten für die Unzufriedenheit, den Widerstand und die Bereitschaft zu Gewalt und Terror, die (wie von manchen bereits seit Mai vorausgesagt) in den vergangenen sechs Monaten kontinuierlich angestiegen sind. Die Ablehnung der Besatzer ist dabei keineswegs beschränkt auf einige Problemgruppen wie "Anhänger Saddam Husseins", "schiitische Extremisten" oder "aus dem Ausland eingesickerte Terroristen". Und auch nicht auf wenige Regionen des Landes. Einzig eine schnelle Ablösung der Koalitionstruppen durch eine UNO-Verwaltung und UNO-Truppen böte zumindest noch einmal die Chance, die Situation im Irak zum Besseren zu wenden.

IRAK: KEHRTWENDE MIT RISIKEN
 Die US-Regierung versucht, die Konsequenzen aus ihrer erfolglosen Besatzungspolitik im Irak zu ziehen: Der Prozess der "Irakisierung" von Regierung und Verwaltung soll beschleunigt werden: Am 30. Juni 2004 soll eine irakische Übergangsregierung die volle politische Verantwortung übernehmen
Ein Schritt in die richtige Richtung
Der US-Regierung läuft die Zeit davon. Der Irak entgleitet ihr. Der neue Plan zeigt Einsicht, bringt aber neue Gefahren mit sich
103 Zeilen, KARIM EL-GAWHARY (TAZ-Bericht)

Aus für Plan A. Folgt Plan B
Strategiewechsel im Weißen Haus: Vor der nächsten Präsidentenwahl will Bush möglichst viel Irak-Verantwortung los sein
112 Zeilen, MICHAEL STRECK (TAZ-Bericht)

DER ZEITPLAN
13 Zeilen (Agentur)
Rumsfeld sieht kaum Erfolge im Anti-Terror-Kampf     (t-news.t-online 22.10.03)
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (Foto: dpa)
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (Foto: dpa)

... Donald Rumsfeld hat sich pessimistisch über die bisherigen Fortschritte im Anti-Terror-Kampf geäußert. Die USA hätten bisher noch keine "wirklich kühnen" Schläge gegen El Kaida und andere Terror-Gruppen unternommen. Im Irak und in Afghanistan müssten sie sich auf ein "langes, hartes Abschuften" einrichten, heißt es in einem Memorandum an Spitzenmitarbeiter im Pentagon, das die Zeitung "USA Today" veröffentlichte.
"Die Kosten-Nutzen-Rechnung ist gegen uns"
Insgesamt sei der Anti-Terror-Krieg extrem kostspielig. "Die Kosten-Nutzen-Rechnung ist gegen uns. Wir geben Milliarden aus im Vergleich zu den Millionen-Ausgaben der Terroristen", heißt es in dem Memorandum weiter. Im Einzelnen sieht der Pentagon-Chef "gemischte" Ergebnisse im Kampf gegen die El Kaida und "langsamere" Fortschritte bei der Suche nach flüchtigen Taliban-Führern in Afghanistan. Im Fall der Terrorgruppe Ansar el Islam im Irak habe der Kampf "gerade erst angefangen".
"Lange Militär-Präsenz nötig"
Die Lage im Irak sieht der US-Verteidigungsminister daher eher düster: Es werde eine "lange, harte Schinderei" werden, die Situation im Irak wie auch in Afghanistan in Griff zu bekommen, betonte Rumsfeld. Der Minister hebt dem Zeitungsbericht zufolge in dem Papier zwar hervor, dass die USA und ihre Verbündeten im Irak wie in Afghanistan "auf die eine oder andere Weise" den Sieg davontragen könnten. Doch werde noch ein langfristiger Militäreinsatz in beiden Ländern nötig sein.
Für die Öffentlichkeit nur Positives
Diese internen Einschätzungen des Pentagonchefs stehen in deutlichem Kontrast zu den generell optimistischen Statements, die die US-Regierung für die Öffentlichkeit abgibt. ...
Hilfsorganisationen schlagen Alarm     (t-news.t-online 22.09.03)
Wegen der zunehmenden Gefahr auch für Hilfsorganisationen im Irak schlagen einige Mitarbeiter der Vereinten Nationen Alarm. Sie sehen ihre Arbeit und ihre Mitarbeiter wegen der angespannten Sicherheitslage in dem Golfstaat "akut gefährdet". Man sei "in großer Sorge", so Manuela Rossbach vom Vorstand der "Aktion Deutschland Hilft".


4.000 Iraker in US-Gewahrsam     (taz, 17.09.03)
BAGDAD dpa Die US-Armee hält im Irak rund 4.000 Iraker wegen Widerstands gegen die Besatzungstruppen fest. Wie ein Sprecher der US-Militärpolizei gestern im westlich von Bagdad gelegenen Gefängnis von Abu Ghoreib mitteilte, werden sie in insgesamt 15 Haftanstalten und getrennt von normalen Kriminellen festgehalten. Menschenrechtsgruppen im Irak kritisierten, dass Tatbestände wie "Bedrohung eines US-Soldaten" zum Teil zu grob definiert seien. Auch irakische Polizisten geraten zunehmend ins Visier bewaffneter Angreifer. Der TV-Sender al-Arabija berichtete gestern von Angriffen auf Sicherheitskräfte in der nordirakischen Stadt Mosul und in der Provinz Dijala. In der westirakischen Stadt Falludscha, in der US-Soldaten letzte Woche versehentlich acht Polizisten töteten, war am Montag der Polizeichef einer benachbarten Ortschaft erschossen worden.
BUSH-REDE ZUR LAGE IM IRAK     (taz, 09.09.03)
 "Mission erledigt", hatte der US-Präsident vor vier Monaten triumphal verkündet. Jetzt klingt die Einschätzung der Lage im Irak anders und viel nüchterner: 87 Milliarden Dollar fordert Bush dem US-Kongress ab. Und auch die internationale Gemeinschaft soll für die Kriegsfolgen einstehen
Neue Heimat für den Terror
Bush bezeichnet den Irak als "zentrale Front" im Anti-Terror-Krieg und fordert vom Kongress weitere 87 Milliarden Dollar. Die US-Besatzung des Iraks scheint derweil die al-Qaida anzulocken
91 Zeilen, ERIC CHAUVISTRÉ (TAZ-Bericht)

"Mr. Quick-Fix" will Zeit und Geld
George W. Bush wechselt den Kurs: Die internationale Gemeinschaft soll im Irak helfen. Fehler gibt er nicht zu, Gegenleistungen bietet er nicht an
155 Zeilen, MICHAEL STRECK (TAZ-Bericht)

Ein Geschenk für die Dschihad-Internationale
Der Irakkrieg hat einen von Bush vorgeschobenen Kriegsgrund verwirklicht: Im Land geben sich islamistische Terroristen ein Stelldichein
113 Zeilen, KARIM EL-GAWHARY (TAZ-Bericht)

Kein Präsident der halben Sachen
bush spricht zur nation
85 Zeilen, BERND PICKERT (Kommentar)

Geheimdienste: Vor Widerstand im Irak gewarnt     (t-news.t-online 09.09.03)

US-Patrouille im Irak (Foto: dpa)
US-Patrouille im Irak (Foto: dpa)

US-Geheimdienste haben die Bush-Administration angeblich schon vor Beginn des Irak-Krieges davor gewarnt, nach Kriegsende weiter mit erheblichem bewaffneten Widerstand rechnen zu müssen. Das berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf Regierungskreise. Tenor der Warnung: Die Nachkriegsphase könne problematischer werden als der eigentliche Feldzug gegen Saddam Hussein.
Anschläge nach Kriegsende
Befürchtungen der Geheimdienste über die Heftigkeit des Widerstandes hätten sich angesichts der fortdauernden Attentate weitgehend bestätigt, zitiert das Blatt weiter. In der Tat kamen seit dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai rund 150 US-Soldaten bei Anschlägen im Irak ums Leben.


Drängt Deutschland: US-Präsident Bush (Foto: dpa)
Drängt Deutschland: US-Präsident Bush (Foto: dpa)
"Geschrieben aber nicht gelesen"  -   Mitglieder der Bush-Administration warfen den Geheimdiensten schon vor, in ihren Analysen den möglichen Widerstand unterschätzt zu haben. Im Umfeld des Stabes heißt es allerdings, dass die politische Führung schon vor dem Krieg Analysen über die Gefahren der Nachkriegsperiode erhalten hatte. Darin sei in aller Ausführlichkeit vor möglichen "Unannehmlichkeiten" gewarnt worden, zitiert das Blatt einen Mitarbeiter. "Die Berichte wurden geschrieben, aber wir wissen nicht, ob sie gelesen wurden."
Terror-Gefahr größer geworden
Längst werden Vorwürfe laut, die Regierung unter US-Präsident George Bush sei in der Irak-Frage zu optimistisch ans Werk gegangen. In Umfragen schwindet die anfängliche Zustimmung zu Bushs Irak-Politik. Kritiker und Befürworter halten sich nun in etwa die Waage. Zudem ist die Mehrheit der Amerikaner mittlerweile der Ansicht, der Krieg habe die Wahrscheinlichkeit eines Terrorangriffs auf die USA nur noch vergrößert.

150 Milliarden Dollar Kosten
Erst am Montag hatte Bush im Kongress zusätzliche Haushaltsmittel über 87 Milliarden Dollar für die Militäroperation im Irak und in Afghanistan beantragt. Wird die Summe genehmigt, dann erreichen die Kosten für den Irak-Einsatz die gigantische Summe von 150 Milliarden Dollar - gut 50 Prozent mehr als ursprünglich veranschlagt.
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US-Verwalter Paul Bremer: "Wir werden die Macht nicht abgeben"
Übergangsrat vereidigt    
(taz, 04.09.03)

BERLIN afp/dpa Fast fünf Monate nach der Entmachtung von Saddam Hussein hat die irakische Interimsregierung ihren Amtseid abgelegt. Die Kabinettsmitglieder wurden gestern im Beisein von US-Zivilverwalter Paul Bremer bei einer Feier in Bagdad eingeschworen. Die Übergangsregierung soll bis zu denWahlen nächstes Jahr amtieren. Bremer gesteht der Übergangsregierung nur ein begrenztes politisches Mitspracherecht zu. Jedem Ministerium werde ein "Berater der Koalitionäre" USA und Großbritannien zur Seite gestellt. "Wir werden die Macht nicht abgeben", betonte Bremer.
WASHINGTON WILL UN-MANDAT FÜR DEN IRAK ERWEITERN    (taz, 04.09.03)
Unter dem Druck dramatisch wachsender Kosten für ihr Besatzungsregime im Irak und anhaltend hoher Risiken für ihre dort stationierten rund 140.000 Soldaten streben die USA nun Entlastung durch andere Staaten mittels Einbindung der UNO an. Offenbar ist der Entwurf fertig und soll in Kürze in den UN-Sicherheitsrat eingebracht werden. Die USA wollen mehr Länder an der Irak-Nachkriegsordnung beteiligen. Die Debatte darüber währt schon lange. Der innenpolitische Druck in den USA, Macht abzugeben, ist nun aber entscheidend gestiegen.
UNO wieder in Sichtweite
Die Vereinten Nationen sollen nun doch wieder eine Rolle im Irak spielen. Doch wie viel Macht sind die USA bereit abzugeben? Ein Planspiel
127 Zeilen, ANDREAS ZUMACH (TAZ-Bericht)

besatzungsmacht
Polen führt die Truppe
32 Zeilen (Agentur)

US-Präsident Bush will Irak-Strategie ändern  (t-news.t-online 04.09.03)

US-Soldat im Irak (Foto: Reuters)
US-Soldat im Irak (Foto: Reuters)
Die USA haben sich verkalkuliert: Fast täglich gibt es Angriffe auf US-Soldaten im Irak und die Kosten für den Einsatz sind weit höher als angenommen. Jetzt läutet US-Präsident George W. Bush einen Strategie-Wechsel ein: Er will eine neue UN-Resolution, die den Weg für eine internationale Streitmacht der Vereinten Nationen im Irak frei macht - unter Führung der USA.
Zu dünne Personaldecke
Auslöser sind vor allem die explodierenden Kosten. Eine neue Studie des US-Kongresses zeigt: Die Personaldecke der aktiven US-Streitkräfte ist zu dünn, um die bisherige Truppenstärke nach März 2004 noch aufrecht erhalten zu können. Gegenwärtig sind etwa 150.000 US-Soldaten und 21.000 Soldaten verbündeter Länder im Irak stationiert. Jetzt dringen die USA auf ein verstärktes internationales Engagement.
Internationale Streitmacht unter US-Kommando
Unter Berufung auf hohe Regierungsbeamte schreibt die "New York Times" in ihrer Internet-Ausgabe, US-Präsident George W. Bush habe sich für Verhandlungen im UN-Sicherheitsrat über die Schaffung einer internationalen Streitmacht für den Irak unter US-Kommando ausgesprochen. Als Gegenleistung sollten die Vereinten Nationen gewisse politische Macht erhalten, berichtet der US-Fernsehsender ABC.
Powell soll verhandeln
Der erste Schritt ist bereits getan. Bush wies US-Außenminister Colin Powell an, im UN-Sicherheitsrat entsprechende Verhandlungen aufzunehmen. Powell arbeite an einem Text, der die größtmögliche internationale Unterstützung im Irak ermöglichen soll, melden Nachrichtenagenturen. Der TV-Sender CNN berichtet: US-Präsident Bush habe bereits am Dienstag einen entsprechenden Entwurf unterzeichnet.


Soldaten aus 30 Ländern im Irak   (t-news.t-online 04.09.03)
Im Irak sind zurzeit rund 153.000 amerikanische und 11.000 britische Soldaten stationiert. Unterstützt werden sie von einer multinationalen Hilfsstreitmacht: 13.000 Soldaten aus insgesamt 30 Ländern. Das größte Kontingent stellt Italien mit 3000 Mann, gefolgt von Polen (2500 Soldaten), Spanien (1300), den Niederlanden (1100) und Australien (1000). Die kleinsten Einheiten kommen aus Litauen (43), Lettland (36) und Mazedonien (28). Dabei handelt es sich größtenteils nicht um Kampftruppen.
Soldaten aus 21 Ländern unter Polens Kommando
In der von Polen verwalteten Besatzungszone "Zentraler Süden" ist die Vielfalt der Truppen besonders groß. Seit Mittwoch stehen 9200 Soldaten aus 21 Ländern unter dem Kommando von Andrzej Tyszkiewicz. Dabei sind Polen, Ukrainer, Spanier, Skandinavier und Balten, aber auch Kontingente aus Mittelamerika, Thailand und der Mongolei. Sie sollen nicht nur für Sicherheit und Ordnung in dem Sektor suchen, sondern auch bei der medizinischen Versorgung der drei Millionen Einwohner und beim Aufbau der Infrastruktur mithelfen.
Dänen, Italiener und Niederländer helfen den Briten
Der britischen Besatzungsmacht im Süden des Landes sind neben Dänen vor allem Italiener und Holländer zugeordnet. Die insgesamt 4500 Verbündeten entlasten die Briten bei Patrouillenfahrten, Checkpoint-Kontrollen und mit eigenen Hubschraubern bei der Sicherung von Flughäfen. Viele der Infanteristen, Militärpolizisten und Nachschubexperten haben die Zusammenarbeit zuvor im Rahmen der gemeinsamen Nato-Zugehörigkeit eingeübt. Dadurch wird die Kooperation erheblich erleichtert.
Kurdische Perschmerga-Kämpfer sind Stütze für USA
Die US-Soldaten in der mittleren und nördlichen Zone des Irak bekommen Hilfe von kurdischen Peschmerga-Kämpfern. Sie zählen aber nicht zur multinationalen Koalition.


"Amerikaner fangen ist einfacher als Fische fangen."   (t-news.t-online 04.09.03)
Von Niko Price, AP


Der irakische Fischer hatte sich gerade dazu entschlossen, zu den Waffen zu greifen. Und er zitterte bei seinem ersten Angriff auf US-Soldaten vor Angst. Dann feuerte er eine Granate auf einen Geländewagen ab und rannte weg, so schnell wie er konnte. Es verfolgte ihn aber niemand. Und seit diesem ersten Angriff im April greift er mit sieben weiteren Kämpfern alle paar Tage US-Soldaten an. "Ich fange am Morgen Fische und am Abend Amerikaner", sagt er und fügt hinzu. "Amerikaner fangen ist einfacher als Fische fangen."
Tatsachen und wilde Behauptungen
Der Mann ist Ende 20, seinen Namen sagt er nicht. Er nennt sich "Salahuddin", nach einem berühmten muslimischen Sultan im 12. Jahrhundert, der im Westen besser unter dem Namen Saladin bekannt ist. Seine Aussagen, die eine Mischung aus überprüfbaren Tatsachen und wilden Behauptungen sind, geben einen kleinen Einblick in den Widerstand im Irak, der seit dem 1. Mai mehr als 60 US-Soldaten das Leben kostete.
"Saddam Hussein ist erledigt"
Er kämpfe gegen die US-Truppen nicht wegen irgendwelcher Belohnungen von Saddam Hussein oder wegen einer prinzipiellen islamistischen Opposition gegen die USA, sagt der Mann. "Saddam Hussein ist erledigt." Was ihn empört habe, sei der Umgang der US-Soldaten mit der irakischen Bevölkerung bei Razzien. Er sei nach einer nächtlichen Razzia zu einem Widerstandskämpfer geworden. Die US-Soldaten hätten unschuldige Männer in Handschellen gelegt, Frauen in unangemessener Weise berührt und eine Witwe mit einem Gewehrkolben geschlagen. "Können sie nicht Besatzungsmacht sein, ohne uns zu erniedrigen?"
US-Truppen räumen Probleme ein
US-Kommandeure räumen ein, dass es Probleme bei den Razzien gibt, wenn die Soldaten nach Anhängern des alten Regimes oder Guerillakämpfern suchen. Der Sprecher der Koalitionstruppen im Irak, US-Major William Thurmond, bestätigt, dass die Beschreibung des Fischers von seiner Gruppe mit den Erkenntnissen der USA übereinstimmt. Es handele sich meist um kleine Gruppen, die eine gewisse Ausbildung hätten, auf örtlicher Ebene agierten und hin und wieder Guerilla-Angriffe verübten, wobei sie nicht ständig kampfbereit auf Angriffsmöglichkeiten lauerten.
Es geht ums Prinzip
Dieser Widerstand nehme zu, sagt der Fischer. "Jeden Tag gibt es neue Gruppen." Eine von ihnen, so erklärt er, die Irakische Nationale Islamische Widerstandsbewegung, werde in Kürze ein Videoband veröffentlichen. Vier Tage später ist dies tatsächlich der Fall. In dem Video nennen fünf vermummte Männer aber eine andere Begründung für ihren Kampf: Sie wollten die US-Truppen aus Prinzip rauswerfen. Dies habe nichts mit der schlechten Versorgungslage oder den Razzien zu tun.
Rakete für zehn Dollar
"Salahuddin" sagt, seine Gruppe habe nur gelegentlich Kontakt mit anderen Rebellen. Eine Koordination gebe es nicht. Er habe auch davon gehört, dass ausländische Kämpfer im Irak seien sollten, gesehen habe er sie noch nicht. Waffen kämen gelegentlich von den anderen Gruppen, die meisten Kämpfer kauften sich ihre Waffen aber selbst, sagt er. Sympathisierende Waffenhändler, die die Bestände geplünderter Lager der irakischen Armee verramschen, räumten ihnen dabei großzügige Rabatte ein. Eine Panzerabwehrrakete gebe es schon für zehn Dollar.
"Wie haben gemerkt, dass sie Feiglinge sind"
Bei seinem ersten Angriff auf US-Soldaten habe er furchtbare Angst gehabt, sagt "Salahuddin". "Wir wussten nichts über ihre Fähigkeiten. Aber dann haben wir gemerkt, dass sie Feiglinge sind und uns nicht folgen." Thurmond bestätigt, dass die US-Truppen in den meisten Fällen nur versuchen, aus der Schusslinie zu kommen. Auf die Frage, ob dies nicht den Widerstand in seiner Ansicht bestätige, dass die US-Soldaten Feiglinge seien, sagt er: "Ihre Meinung über uns interessiert mich nicht besonders."
Übertreibung muss sein
"Salahuddins" Gruppe hat nach seinen Angaben inzwischen 14 Angriffe verübt, von denen einige auch mit Angaben des US-Heeres übereinstimmen. Einmal, so berichtet er, seien sieben US-Soldaten getötet und drei verwundet worden. Bislang haben die US-Truppen aber höchstens drei Soldaten bei einem Angriff verloren. Diese Übertreibungen seien in der arabischen Welt üblich, sagt der Kairoer Journalist Mohammed Salah. Dazu gehörten auch Berichte über weit höhere Verluste der USA. Diese versuchten die USA zu verschleiern, in dem sie ihre Toten in der Wüste beerdigten. Solche Geschichten würden geglaubt und verstärkten die Aura des Widerstands, sagt Salah. Man müsse diese Behauptungen aber beachten, weil sie zeigten, wie die Rebellen denken.

Iraks Niedergang ist nicht unausweichlich     (taz, 03.09..03)
Wahlen auf lokaler Ebene und ein Ende des US-Machtmonopols könnten den Ausweg bahnen. Eine Analyse
135 Zeilen, KARIM EL-GAWHARY (Kommentar)
Irak: Mehr US-Tote als im Krieg     (taz, 27.08.03)
BAGDAD dpa Im Irak sind seit dem Ende der größeren Kampfhandlungen inzwischen mehr US-Soldaten ums Leben gekommen als während des sechswöchigen Krieges. Das 139. Opfer starb am Dienstag bei einem Anschlag auf einen Militärkonvoi in Bagdad, teilte das US-Zentralkommando mit. Zwei Soldaten wurden dabei verletzt. Während der Kriegshandlungen im März und April waren im Irak 138 Soldaten ums Leben gekommen, davon 115 in Gefechten. Die Zahl der seit dem 1. Mai bei Anschlägen oder in Gefechten gefallenen US- Soldaten lag am Dienstag bei 63. Die anderen Soldaten starben bei Unfällen und durch Krankheiten. Präsident George W. Bush hatte am 1. Mai das Ende der größeren Kampfhandlungen verkündet.
Falken warnen vor Irak-Desaster
Auch Neokonservative kritisieren das Vorgehen der Bush-Regierung im Irak. Mehr getötete US-Soldaten seit Anfang Mai als während der "Hauptkampfhandlungen"
108 Zeilen, ERIC CHAUVISTRÉ   (TAZ-Bericht)

Besatzung im Chaos     (taz 19.07.03)
Pentagon: Lage im Irak auf der Kippe. Wolfowitz in Bagdad. US-Nationalgarde soll helfen. Schiiten-Scheich al-Sadr: Nein zu Amerika!
US-POLITIKER DRÄNGEN BUSH ZU KURSKORREKTUR IM IRAK     (taz,12.07.03)
 Der vom US-Präsidenten einst verbreitete Optimismus hinsichtlich einer friedlichen Transformation des Irak hat sich als Wunschdenken erwiesen. Fast täglich werden US-Soldaten getötet, die Moral ist auf dem Tiefpunkt. Der Senat hat Bush jetzt aufgefordert, die Nato um Unterstützung zu ersuchen
USA planen Kehrtwende
Donald Rumsfeld, der etwas ratlos wirkende Pentagonchef, macht auf der Suche nach Auswegen im Irak neue Vorschläge
140 Zeilen, MICHAEL STRECK  (TAZ-Bericht)

Besonnenheit garantiert das eigene Überleben
Die US-Soldaten, die in der irakischen Hauptstadt Bagdad für Ordnung und Sicherheit sorgen sollen, fühlen sich in der Rolle des Besatzers nicht gerade wohl. "Die Iraker machen uns für alles, was nicht läuft, verantwortlich", klagt ein US-Sergeant. Er und seine Leute fühlen sich bedroht
155 Zeilen, KARIM EL-GAWHARY  (TAZ-Bericht)
Noch ist der Widerstand sporadisch     (taz, 04.07.03)
Im Irak kommt es jeden Tag zu mehreren Überfällen auf die US-Truppen. Noch sind diese Aktionen nicht organisiert. Gemäßigte Kräfte fürchten, in eine militärische Dynamik hineingezogen zu werden. Was sie brauchen, ist eine politische Alternative.
141 Zeilen, KARIM EL-GAWHARY
 (TAZ-Bericht)
FALLUDSCHA - EIN PULVERFASS IM IRAK     reportage  (taz, 03.07.03)
 Seit dem 28. April hat sich das Leben von Ussama Saleh radikal verändert. US-Soldaten haben seinen Bruder und seinen Cousin erschossen, er selbst ist invalide und hat sein Taxi verloren. Und die Gefühle derer, die den Amerikanern blutige Rache geschworen haben, kann er nur zu gut verstehen
Nur Ussama will keine Rache
288 Zeilen, KARIM EL-GAWHARY 

Bereits 54 US-Soldaten ums Leben gekommen   (t-news.t-online 20.06.03)
Die Besatzung des Iraks müssen immer mehr amerikanische Soldaten mit dem Leben bezahlen. Mehr als die Briten im Süden des Landes sind die US-Streitkräfte Angriffen aus dem Hinterhalt ausgesetzt. Irakische Bewaffnete schlagen nach Art einer Stadtguerilla zu. Sie greifen mit Scharfschützen oder Panzerfäusten an, um sich anschließend im Gewirr der Straßen davonzumachen. Durch die steigenden Opferzahlen ... gerät die Bush-Regierung auch in den USA zunehmend unter Druck. Bush und hohe Verantwortliche aus Pentagon und Außenministerium bezeichnen die Verluste zwar als schmerzlich. Sie seien aber zweitrangig im Vergleich zu den ökonomischen und sicherheitspolitischen Fortschritten im Irak.

Tägliche Attacken zermürben US-Soldaten

Durch die täglichen Attacken mit oft tödlichem Ausgang und die offensichtliche Ablehnung der Iraker wächst der Frust und die Desillusionierung über ihre Rolle als Friedensstifter auch bei den US-Soldaten. Auf den schnellen Sieg über das Regime von Saddam Hussein folgen nun nervenaufreibende Patrouillengänge. "Sie schreien uns an, wir sollen nach Hause gehen", sagt ein junger US-Soldat an einem Wachposten am Tigris-Ufer, wo immer wieder Demonstranten vorbeiziehen.

Irak ist immer noch Kampfgebiet

Doch mit ihrem schweren Kriegsgerät sind die Soldaten für polizeiliche Aufgaben schlecht gerüstet. Schnell fallen bei Demonstrationen tödliche Schüsse auf protestierende Iraker, wenn sich die US-Soldaten bedroht sehen. "Das ist noch immer ein Kampfgebiet. Die Soldaten müssen darauf vorbereitet sein, sich zu verteidigen", sagt dazu ein US-Offizier, der ungenannt bleiben will. "Es ist unrealistisch, dass wir den Männern sagen, hier ist echte Munition und in diesem Magazin sind die Plastikkugeln."

"Amerikaner sind wie Fliegen"

"Man müsste jetzt direkt eine Handgranate auf sie werfen", sagt ein Offizier der aufgelösten irakischen Armee wütend, nachdem eine Demonstration für Gehaltszahlungen an entlassene irakischen Soldaten vor dem Sitz der US-Zivilverwaltung in Bagdad eskaliert ist. Mehrere ehemalige Kämpfer in den Streitkräften des Saddam-Regimes werden erschossen, es kommt zu Ausschreitungen. "Die Amerikaner sind doch hier wie die Fliegen", findet ein Demonstrant. "Wir jagen sie, wenn sie allein unterwegs sind."


Irak:  Gewaltverbrechen greifen um sich   (t-news.t-online 14.05.03)
...  Die "Washington Post" zitiert in ihrer Montagsausgabe zahlreiche Zeugenaussagen, von Menschen die die Entführung von Mädchen und jungen Frauen auf offener Straße hilflos mit ansehen mussten. Doch die Frauen sind nur die häufigsten Opfer. Unbemerkt von der kriegsmüden Weltöffentlichkeit, und von den amerikanischen Besatzern gerne totgeschwiegen, greifen Raubüberfälle und Morde in allen Stadtvierteln um sich.
Frauen gehen kaum noch auf die Straße
Einen Monat nach der Einnahme Bagdads durch die US-Truppen hat sich die irakische Hauptstadt in einen Albtraum aus Gewalt und ständiger Bedrohung verwandelt. Junge Frauen lassen sich in manchen Stadtvierteln kaum noch auf offener Straße sehen. Unter der Hand wächst die Wut auf die amerikanischen Besatzer, die, so die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, durch die Zerstörung der alten Ordnung, die Verbrecher von der Kette gelassen haben, ohne sie jetzt kontrollieren zu können.
Dabei sind die Verbrechen an Frauen für die Opfer besonders tragisch: In der traditionellen arabischen Gesellschaft gelten vor allem sie als Bewahrer der Familienehre. Geht diese verloren, werden die Opfer nicht selten von der eigenen Familie getötet, um die Schande zu tilgen.
US-Truppen hinken Verbrechern hinterher
Die Besatzer selbst sind indessen kaum in der Lage, mit der Mammutaufgabe, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, fertig zu werden. Zwar patrouillieren Panzerwagen durch die Straßen. Dies hält jedoch entschlossene Mörder und Entführer nicht auf. Nun werden neue Polizisten rekrutiert, die jedoch weder zahlreich noch erfahren genug sind, um dem Verbrechen etwas entgegenzusetzen. Während die Verwalter auf höchster Ebene über Regierungsposten verhandeln, herrscht auf den Straßen der Wilde Westen.


Irak aus der Perspektive eines US-Soldaten   Von Erwin Decker (Bagdad)    ( aus: t-news.t-online /  04.05.03 )
...   Kein Jubel über die Befreier
Seine Vorgesetzten hätten vor dem Krieg gesagt, die Iraker würden die US-Soldaten als Befreier feiern wie 1944 die Franzosen in der Normandie. Doch wegen der Heckenschützen müssten die Soldaten Tag und Nacht kugelsichere Westen tragen. Die Freude über die Befreier hielt nur kurz an. ...

USA fürchten antiamerikanische Regierung im Irak  / Warnungen an Iran  (t-news.t-online 23.04.03)

"Nein zu Amerika"
Bei den Feiern zum Todestag eines der größten schiitschen Märtyrer hatten die Schiiten in Kerbela in Sprechchören und auf Spruchbändern zu Hunderttausenden dem US-Einfluss auf die Nachkriegsordnung ihres Landes abgelehnt. "Nein zu Amerika, Nein zum Kolonialismus" war immer wieder zu hören. Im Irak und im Iran hat die islamische Strömung der Schiiten die Mehrheit. Im Iran haben sie einen Religionsstaat errichtet. Seit dem Sturz von Präsident Saddam Hussein demonstrieren die Schiiten auch im Irak deutlich ihren Führungsanspruch.
Die US-Regierung befürchtet offenbar eine radikal-islamistische Revolution im Irak. ...  Sollte diese machtvolle Bewegung eine antiamerikanische Regierung anstreben, könnte Washington das kaum verhindern, glauben US-Regierungsbeamte.
Die USA haben sich von dem erfolgreichen Irak-Feldzug eine Demokratisierungswelle versprochen, die über Bagdad in den Iran, nach Syrien, den Libanon, Palästina und Saudi-Arabien schwappt. Genauso gut könnte der US-Einsatz aber jetzt einen Flächenbrand in der Region entfachen, der die radikal-islamistische Kräfte entfesselt und eine breite Front gegen den verhassten Westen zusammenschweißt.

USA haben Schiiten unterschätzt
Hohe Beamte haben gegenüber der "Washington Post" zugegeben, dass sie unterschätzt haben, wie energisch und organisiert die Schiiten auf eine Machtübernahme im Irak drängen. Letzten Endes hätten die Amerikaner keine geeigneten Mittel, die Millionen Schiiten davon abzuhalten, eine antiamerikanische, fundamentalistische Regierung zu errichten. ...  Jetzt suchen die Vereinigten Staaten panisch nach Verbündeten in der Bevölkerung, um das Machtvakuum nach dem Sturz Saddam Husseins möglichst schnell zu füllen.
"Es ist eine schwierige Situation, und die US-Regierung ist schlecht vorbereitet", sagte ein Beamter des Außenministeriums der "Washington Post". "Ich glaube nicht, dass vorher irgendjemand einen Schritt Abstand genommen hat und gefragt hat: 'Nach was suchen wir eigentlich?' Der Schwerpunkt lag völlig auf dem Umsturz Saddam Husseins."

Machtkampf unter Schiiten hat schon angefangen
Dabei begann der Machtkampf unter den Schiiten schon kurz nach dem Fall Bagdads. Abdul Majid Koei, ein religiöser Führer, der mit US-Spezialkräften zusammenarbeitete, wurde bei Nadschaf erstochen. Täter waren Anhänger eines antiamerikanischen schiitischen Führers, der seinen Konkurrenten aus dem Weg schaffen wollte.
Die USA haben ein weiteres, gewichtiges Problem mit den Schiiten: Die größte Gruppe, der "Hohe Rat für die islamische Revolution im Irak", hat nicht nur seinen Sitz im schiitisch dominierten Iran. Sie arbeitet auch eng mit der amerikafeindlichen Regierung in Teheran zusammen, die sie über all die Jahre im Kampf gegen den sunnitischen Herrscher Saddam Hussein unterstützt hat. Den ersten Versuch der Amerikaner, die politischen und religiösen Führer des Iraks an einen Tisch zu bringen, hat der "Hohe Rat" bereits boykottiert. Zum geplanten Treffen in Ur schickten sie keinen Vertreter.
Hinzu kommt, dass die USA praktisch keine diplomatischen Beziehungen zum Iran unterhalten. Die Bush-Regierung tappt deshalb völlig im Dunkeln, was die Ziele Teherans angeht. Die iranischen und irakischen Schiiten können sich deshalb zu einer machtvollen Allianz verbünden, ohne dass die USA das verhindern könnten.

Hoffen auf ethnischen Gegensatz
Allerdings hofft Washington auf den ethnischen Unterschied der religiös Verbündeten. Die Schiiten im Irak sind Araber, nicht Perser wie die Iraner. Die US-Offiziellen hoffen auf einen starken Nationalismus unter den irakischen Schiiten, die sich gegen ein gemeinsames, persisches Oberhaupt wehren.
Manche Experten glauben sogar, dass das Ende der Unterdrückung die schiitische Bindung an den Iran lockert. Das Zentrum der Religion könnte sich in den Irak verlagern, nachdem die bedeutenden heiligen Stätten im Land - Nadschaf und Kerbala - den Gläubigen wieder zugänglich sind.

Agenten in den Südirak geschickt?
Washington ... hat den Iran davor gewarnt, sich im Nachbarland Irak einzumischen. Hintergrund sind Berichte, wonach Teheran Agenten in den Südirak eingeschleust haben soll, um die Schiiten zu unterstützen. ...
Die US-Regierung habe Teheran deutlich gemacht, dass jede "äußere Einmischung auf dem Weg Iraks zur Demokratie" nicht geduldet werde, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer. Dies betreffe insbesondere die Einschleusung von Agenten in den Süden Iraks. Von entsprechenden Versuchen berichtete zuvor die "New York Times". Demnach sollen unter den Agenten auch Guerillakämpfer der schiitischen El-Badr-Brigaden sein.


Vorläufige Zahlen des Krieges      ( aus: t-news.t-online / 16.04.03 und 02.05.03 )

Im Irak-Krieg, der am 20. März begann, sind Tausende von Menschen ums Leben gekommen. Aus unterschiedlichsten Quellen, die oft nur Schätzungen nennen, ergibt sich bis zum von Bush am 1. Mai deklarierten "Ende der Hauptkampfhandlungen" folgendes Bild des Krieges (in vorläufigen Zahlen) :
Tote, Verwundete, Kriegsgefangene , Flüchtlinge:
"Alliierte": 171 Soldaten getötet (davon 138 US-Soldaten und 33 Briten), darunter auch Tote bei Explosionen von Munition und versehentlichem Beschuss durch eigene Truppen,  495 US-Soldaten wurden verwundet.
Irak: mindestens 2300 Soldaten getötet (nach US-amerikanischen Schätzungen)
- 1200 bis 2600 getötete Zivilisten, mehr als 5000 Verletzte (irakische Schätzungen)
- aktuell nach Angaben des US-Zentralkommandos etwa 6800 irakische Kriegsgefangene
- zu Vermissten liegen keine Schätzungen vor
Medien: mindestens 10 Journalisten durch Kampfhandlungen getötet
Das UN-Flüchtlingshilfswerk schätzt 30.000 irakische Flüchtlinge im eignen Land an der Grenze zum Iran.
Eingesetzte Waffen
Etwa 15.000 Präzisionsbomben, etwa 8000 ungesteuerte Sprengkörper, etwa 800 Tomahawk Flugkörper bei rund 30.000 Einsätzen .
Kriegskosten
Bisher über 25 Milliarden Dollar - Doch nach Beendigung der Kriegshandlungen kommen weitere Ausgaben hinzu:
USA: 79 Milliarden Dollar für den Irak-Krieg und Folgen (darin 62,6 Millarden reine Kriegskosten); Briten: drei Milliarden Pfund (4,5 Milliarden Euro) für den Irak-Krieg.
Kriegschäden, Folge-, und Umweltschäden
Kultur: Irakisches Nationalmuseum und Nationalbibliothek beraubt - Infrastruktur: Wasser- und Stromversorgung teils zerstört, unter anderem Krankenhäuser und öffentliche Gebäude geplündert - Umwelt: wenige Ölquellen wurden in Brand gesteckt - Geschätzte Kosten für den Wiederaufbau des Iraks: mindestens 100 Milliarden Dollar.