Irene Nierstenhöfer                                                                                                                                        10.4.03
MLPD, Kreis Dortmund/Hagen/Bergkamen
 

An die Mitglieder des
Dortmunder Bündnisses gegen den Irak-Krieg
 

Liebe Friedensfreunde!

Die etwas seltsame Situation mit zwei Lautsprecherwagen auf der Montagskundgebung am 7.4. veranlasst mich, Euch diesen Brief zu schreiben.

Seit dem 17.3. führen verschiedenste Kräfte unter anderem selbstverständlich auch die MLPD die Montagsaktion durch. Sie versteht sich als "Bestandteil der bundesweiten Montagsaktion". In den gemeinsam beschlossenen Grundsätzen heißt es weiter: "Wir treten ein für das Ende des Irak-Kriegs und gegen jegliche Unterstützung der Bundesregierung".

Auf dem Treffen des Bündnisses gegen den Irak-Krieg am 2.4. waren wir uns darin einig, dass die Montagskundgebungen ein wichtiges Mittel sind, damit zahlreiche neue Kräfte und Träger für die Stärkung der Friedensbewegung gewonnen und die Kräfte gebündelt werden und sich das Bündnis in diese bundesweite Montagsaktion als Bestandteil der bundesweiten Friedensbewegung einreiht.

Anstatt ein einheitliches, gleichberechtigtes Auftreten über weltanschauliche Grenzen hinweg zu organisieren und durch den praktischen Protest zu verkörpern, spaltet ihr durch das zweite Mikrofon und euer Auftreten die Friedensbewegung. Mir ist es unerklärlich, was das Bündnis gegen ein offenes Mikro hat, das dem öffentlichen Meinungsaustausch und der gegenseitigen Information dient, wie es in den Grundsätzen festgelegt ist. Dort heißt es weiter: "Wir richten uns an die Be-völkerung. Alle können sich beteiligen und sich einbringen mit Wort- oder auch kulturellen Bei-trägen und Aktionen."

In so einer wichtigen Frage muss doch die breiteste Einheit, wo jeder gleichberechtigt zu Wort kommt auf antifaschistischer Grundlage das Gebot der Stunde sein. Die Vielfalt der Organisationen, Parteien, Initiativen und Einzelpersonen ist doch gerade die Stärke der Friedensbewegung. Mit eurem Verhalten grenzt ihr diese Kräfte alle aus. Oder würdet ihr einem Herrn Langemeyer auch das Wort verbieten? Warum fördert ihr nicht, dass diese Organisationen wie SPD, Grüne, DGB dort Stände machen und reden, was zu einem Wachsen der Friedensbewegung beitragen würde?

Gleichzeitig möchte ich auch kritisieren, wie ihr mit verschiedensten Methoden antikommunistische Vorbehalte schürt, wie z.B. indem ihr uns unterstellt, dass am offenen Mikro sowieso nur MLPD-Redner auftreten würden. Solche Behauptungen schaden einer breiten Friedensbewegung, zumal sie in keinster Weise den Tatsachen entsprechen. Oder habt ihr Angst vor unterschiedlichen Meinungen? Die Zuhörer werden sich schon ihre eigene Meinung bilden.

Ich denke, es muss doch möglich sein, diese Spaltung zu überwinden. Wir bitten euch darum, diesen Brief auf dem nächsten Bündnistreffen zu besprechen und das in der Praxis am nächsten Montag sofort zu verändern.
 

Mit solidarischen Grüßen

Irene Nierstenhöfer